Tag 7 - Klippen, Leuchttürme, ein Schloss und Puffins!
Nach einem entspannten Frühstück starteten wir kurz nach 10 Uhr in den Tag. Die große Etappe des Vortages lag hinter uns, doch der hohe Norden Schottlands hatte noch einige Höhepunkte für uns in petto.
Zunächst ging es ein kleines Stück zurück in Richtung Duncansby Head.
Bereits die Anfahrt war ein Erlebnis für sich. Wie so oft im Norden führte die Strecke über eine Single-Track-Road. Vorbei an saftig grünen Wiesen, auf denen Schafe friedlich grasten, schlängelte sich die Straße durch die offene Landschaft. Wir fuhren über eine Straße die mitten durch die weite Weidelandschaft führte.
Am Parkplatz angekommen machten wir uns zu Fuß auf den Weg.
Schon nach wenigen Minuten wurde klar, warum Duncansby Head zu den schönsten Küstenabschnitten Schottlands zählt.
Der Leuchtturm selbst wirkt zunächst eher unscheinbar. Doch die eigentliche Attraktion liegt einige hundert Meter weiter entlang der Klippen.
Dort öffnet sich eine Szenerie, die fast unwirklich erscheint.
Tief unter uns brandete die Nordsee gegen die Felsen. Gewaltige Klippen stürzten senkrecht ins Meer. Besonders beeindruckend sind die berühmten Duncansby Stacks – gewaltige Felstürme, die wie steinerne Nadeln aus dem Wasser ragen. Über Jahrtausende haben Wind, Wellen und Wetter die Felsen aus dem Küstenmassiv herausgearbeitet und diese spektakulären Formationen geschaffen.
Von oben wirken die Stacks fast wie die Türme einer versunkenen Festung.
Dazu kamen unzählige Seevögel. Möwen, Trottellummen und andere Küstenbewohner kreisten über den Klippen oder nisteten auf den schmalen Felsvorsprüngen. Das ständige Rufen der Vögel, der Wind und das Donnern der Wellen erzeugten eine Atmosphäre, die man kaum beschreiben kann.
Es war einer dieser Orte, an denen man einfach stehen bleibt.
Und schaut.
Und schaut noch ein bisschen länger.
Nach diesem beeindruckenden Auftakt ging es zurück zum Wohnmobil und weiter zum nächsten Programmpunkt.
Unser Ziel war das Castle of Mey.
Das Schloss liegt direkt an der Nordküste und ist vor allem durch seine berühmteste Bewohnerin bekannt: Queen Elizabeth, die Queen Mother. Nachdem sie das Anwesen 1952 entdeckt hatte, ließ sie es umfassend restaurieren und nutzte es jahrzehntelang als privaten Rückzugsort.
Für rund 20 Pfund Eintritt kann man heute das Gelände, die wunderschönen Gärten und einige der historischen Räume besichtigen.
Und tatsächlich:
Der Garten ist jeden Besuch wert.
Blühende Blumenbeete, gepflegte Wege, alte Bäume und immer wieder fantastische Ausblicke auf das Meer machen den Rundgang zu einem echten Erlebnis. Man merkt schnell, wie viel Herzblut in die Pflege dieser Anlage fließt.
Von den Gärten aus schweift der Blick über die Nordsee bis hin zu den Orkney-Inseln.
Kein schlechter Ort für einen Sommersitz der Königsfamilie.
Nach dem Besuch setzten wir unsere Reise fort.
Das letzte große Ziel des Tages wartete bereits.
Dunnet Head.
Während John O’Groats oft als nördlichster Punkt des britischen Festlands bezeichnet wird, liegt der tatsächlich geografisch nördlichste Punkt etwas weiter westlich:
Dunnet Head.
Natürlich führte auch dorthin eine schmale Single-Track-Road.
Die Anfahrt war stellenweise durchaus abenteuerlich. Ausweichbuchten, enge Kurven und Gegenverkehr sorgten dafür, dass man konzentriert bleiben musste. Doch jede Mühe war vergessen, sobald wir den Parkplatz erreichten.
Der Ausblick war schlicht spektakulär.
Hoch oben auf den Klippen bot sich ein nahezu unendlicher Blick über das Meer. Die Orkney-Inseln schienen zum Greifen nah. Tief unter uns schlugen die Wellen gegen die Felsen, während der Wind unaufhörlich über die Klippen fegte.
Natürlich durfte auch hier ein Leuchtturm nicht fehlen.
Der markante weiße Turm wacht seit über 180 Jahren über die stürmischen Gewässer des Pentland Firth – einer Meerenge, die für ihre starken Strömungen bekannt ist.
Gerade als wir die Aussicht genossen, begann es leicht zu nieseln.
Doch plötzlich entstand Aufregung.
„Puffins!“
Papageientaucher!
Tatsächlich entdeckten wir ein Pärchen direkt unterhalb der Klippen.
Zwar einige Meter entfernt, aber dennoch wunderbar zu beobachten.
Diese außergewöhnlichen Vögel wirken tatsächlich wie eine Mischung aus Pinguin und Papagei. Mit ihrem bunten Schnabel, dem schwarz-weißen Gefieder und ihrem leicht unbeholfenen Gang sehen sie fast aus, als wären sie einer Zeichentrickserie entsprungen.
Nicht umsonst werden sie im Deutschen auch „Papageientaucher“ genannt.
Besonders schön war das Verhalten des Paares.
Immer wieder flog einer der beiden kurz davon, kreiste über den Klippen und kehrte wenig später zu seinem Partner zurück.
Wir hätten ihnen stundenlang zusehen können.
Die Hoffnung, auf unserer Reise noch weitere Papageientaucher zu entdecken, war damit endgültig geweckt.
Doch Schottland hatte andere Pläne.
Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich der leichte Nieselregen in einen regelrechten Wolkenbruch.
Der Himmel öffnete sämtliche Schleusen.
Was eben noch ein gemütlicher Küstenspaziergang gewesen war, wurde plötzlich zu einem kleinen Sprint zurück zum Wohnmobil.
Durchnässt, aber bestens gelaunt machten wir uns auf den Weg zum Campingplatz.
Zum Glück lag unser Tagesziel nur wenige Fahrminuten entfernt.
Der Campingplatz an der Dunnet Bay empfing uns mit einem herrlichen Blick auf den weitläufigen Sandstrand. Selbst bei wechselhaftem Wetter wirkte die Bucht beeindruckend. Der helle Sand zog sich über mehrere Kilometer entlang der Küste und vermittelte fast das Gefühl, an einem abgelegenen Südseestrand zu stehen.
Zur Mittagszeit wurde zunächst selbst gekocht.
Nach den vielen Eindrücken des Tages genau das Richtige.
Später klarte das Wetter wieder etwas auf und wir nutzten die Gelegenheit für einen ausgedehnten Strandspaziergang.
Scotty genoss die weiten Sandflächen sichtlich. Der Wind, die Wellen und die offene Landschaft schienen genau nach seinem Geschmack zu sein.
Während die Sonne langsam tiefer stand und die Wolken in warmes Licht tauchte, ließen wir den Tag entspannt ausklingen.
Duncansby Head.
Das Castle of Mey.
Dunnet Head.
Papageientaucher.
Und ein typisch schottischer Wolkenbruch.
Ein Tag, der einmal mehr gezeigt hatte, dass die schönsten Erlebnisse oft dort entstehen, wo Meer, Wind und ein wenig Abenteuer aufeinandertreffen.
Gefahrene Strecke: 42km
Aktuelle Position: