Tag 5 - Von Nessie zur Delfinküste

Nach einem entspannten Morgen und einem gemütlichen Frühstück rollten wir gegen 9:30 Uhr vom Campingplatz. Der heutige Tag sollte uns weiter auf der legendären A82 in Richtung Nordosten führen – vorbei an einigen der bekanntesten Seen Schottlands und schließlich bis an die Küste der Moray Firth.

Unser erster Halt ließ nicht lange auf sich warten. Kurz hinter Fort William legten wir einen Stopp am berühmten Commando Memorial bei Spean Bridge ein.

Bereits auf dem Parkplatz wurde schnell klar, dass wir nicht die Einzigen waren, die diesen Ort besuchen wollten. Wohnmobile, Motorräder, Reisebusse und Wanderer aus aller Welt hatten sich hier versammelt. Und das aus gutem Grund.

Vor uns eröffnete sich ein Panorama, das selbst in Schottland außergewöhnlich ist.

Von hier aus blickt man über die gesamte Ben-Nevis-Range. Gewaltige Berge erheben sich am Horizont, während sich dazwischen Täler, Wälder und Heideflächen erstrecken. Über allem thront der Ben Nevis, der höchste Berg Großbritanniens. Die Sicht war an diesem Morgen außergewöhnlich gut. Die Gipfel zeichneten sich klar gegen den Himmel ab und die Sonne verlieh der Landschaft eine fast unwirkliche Tiefe.

Im Mittelpunkt steht das Commando Memorial. Die Bronzestatue erinnert an die britischen Commandos des Zweiten Weltkriegs, die in dieser Region für Einsätze im Gebirge ausgebildet wurden. Während man dort steht und über die Highlands blickt, versteht man schnell, warum genau dieser Ort für das Denkmal gewählt wurde.

Es war einer dieser Momente, in denen man die Kamera kurz beiseitelegt und einfach nur schaut.

Anschließend führte uns die A82 weiter durch die Highlands. Die Straße schlängelte sich durch eine Landschaft, die wie geschaffen scheint für Postkarten und Reisekataloge. Hinter jeder Kurve warteten neue Ausblicke auf Berge, Täler und glitzernde Wasserflächen.

Unser erster kurzer Halt führte uns an die Ufer des Loch Lochy. Oft steht dieser See im Schatten seines berühmten Nachbarn Loch Ness, dabei besitzt er seinen ganz eigenen Charme. Das Wasser lag ruhig zwischen den umliegenden Bergen, während sich die Wolken darin spiegelten. Ein Ort, an dem man problemlos Stunden verbringen könnte – wenn nicht hinter jeder Kurve bereits das nächste Highlight warten würde.

Und dieses Highlight hieß natürlich: Loch Ness.

Kaum ein Ort in Schottland ist weltweit so bekannt wie dieser geheimnisvolle See. Über 36 Kilometer lang, stellenweise mehr als 200 Meter tief und von dunklem Wasser geprägt, bietet Loch Ness genau die Kulisse, aus der Legenden entstehen.

Die berühmte Ruine von Urquhart Castle passierten wir diesmal allerdings ohne Halt. Das Schloss hatten wir bereits auf einer früheren Reise besucht. Außerdem zeigte sich einmal mehr, warum eine gute Planung dort wichtig ist: Die Parkplätze sind begrenzt und der Zugang erfolgt inzwischen praktisch nur noch mit vorab gebuchten Eintrittskarten. Wer nicht sehr früh am Morgen erscheint, muss oft mit längeren Wartezeiten rechnen.

Deshalb stand unser Plan ohnehin fest.

Wir wollten ans Nordende des Loch Ness.

In Dores Beach legten wir schließlich einen längeren Halt ein. Große Parkplätze sucht man hier allerdings vergeblich. Also fanden wir eine kleine Haltebucht am Straßenrand und machten einen kurzen Spaziergang ans Wasser.

Für Scotty wurde dieser Stopp schnell zu einem der Highlights des Tages.

Während wir über den See blickten, nutzte er die Gelegenheit für eine kleine Abkühlung und sprang kurzerhand in das Wasser des berühmtesten Sees Schottlands.

Nessie ließ sich leider nicht blicken.

Vielleicht hatte sie sich gerade auf die andere Seite des Sees zurückgezogen. Vielleicht war sie beschäftigt. Oder vielleicht wusste sie einfach, dass heute perfektes Ausflugswetter herrschte und sie uns die Bühne überlassen wollte.

Denn entgegen aller Klischees zeigte sich Schottland erneut von seiner besten Seite.

Strahlender Sonnenschein begleitete uns nahezu den gesamten Tag. Die Wasseroberfläche glitzerte im Licht und die umliegenden Hügel leuchteten in sattem Grün. Für einen Ort, der oft mit Nebel, Regen und geheimnisvollen Schatten verbunden wird, war dies vermutlich einer der freundlichsten Tage, die Loch Ness zu bieten hat.

Anschließend führte uns die Route weiter nach Norden. Die Berge wurden langsam sanfter, die Landschaft öffnete sich und schließlich erreichten wir die Küste der Moray Firth.

Unser Tagesziel war der Campingplatz in Rosemarkie. Bereits bei der Ankunft fiel sofort die fantastische Lage ins Auge. Von vielen Bereichen des Platzes bot sich ein herrlicher Blick über die weit geschwungene Bucht der Moray Firth. Der Wind blies kräftig, doch die Aussicht entschädigte dafür mehr als genug.

Nach einer kurzen Pause zog es uns noch einmal hinaus.

Ca. 30 Gehminuten entfernt befindet sich Chanonry Point, einer der bekanntesten Orte Europas zur Beobachtung von Delfinen. Die Große-Tümmler-Population der Moray Firth gehört zu den größten und bekanntesten in ganz Europa. Besonders bei auflaufender Flut lassen sich die Tiere hier häufig direkt vom Ufer aus beobachten.

Leider hatten wir diesmal kein Glück.

Die Delfine hatten offenbar andere Pläne.

Trotzdem lohnte sich der Spaziergang entlang der Küste. Der Blick über das Meer, die frische Luft und die raue Schönheit der schottischen Küste machten den Ausflug zu einem Erlebnis.

Für den Rückweg wählten wir eine etwas andere Strecke.

Und plötzlich standen wir mitten auf einem Golfplatz.

Tatsächlich führt ein Teil des Weges direkt durch die Anlage. Wer hier spazieren geht, sollte besser die Augen offen halten und gelegentlich einen Blick in den Himmel werfen. Die Gefahr, von einem Golfball überrascht zu werden, ist durchaus real.

Zum Glück waren die Golfer mindestens genauso entspannt wie die Landschaft. Einige ältere schottische Herren kamen sofort mit uns ins Gespräch. Schnell stellte sich heraus, dass sie große Hundefreunde waren. Einer von ihnen erzählte stolz von seinen beiden Scottish Terriern, die zuhause auf ihn warteten. Entsprechend bekam natürlich auch Scotty sofort Aufmerksamkeit. Freundlich, humorvoll und typisch schottisch herzlich plauderten wir einige Minuten über Hunde, Reisen und das Leben in den Highlands.

Vorsicht vor Querschlägern!

Zurück am Campingplatz stand zunächst eine kleine schottische Variante der Tea Time auf dem Programm. Mit Blick auf die Bucht der Moray Firth und einer heißen Tasse Kaffee gönnten wir uns frisch gekaufte Scones mit traditioneller Clotted Cream und schottischer Marmelade. Draußen pfiff der Wind kräftig über die Küste, während wir es uns im Windschatten des Wohnmobils gemütlich machten. Einfach, aber unglaublich lecker.

Anschließend ließen wir den Nachmittag entspannt ausklingen und genossen die fantastische Aussicht über die Bucht. Das Licht veränderte sich ständig, Wolken zogen über das Meer und immer wieder brachen Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Trotz des kräftigen Windes hatte dieser Ort etwas unglaublich Beruhigendes.

Zum Abendessen wurde schließlich noch etwas gekocht. Nach einem Tag voller Highlands, Loch Ness, Küstenlandschaften und frischer Seeluft schmeckte das Essen gleich doppelt so gut.

Während wir später vor dem Wohnmobil saßen und auf die windgepeitschte Moray Firth blickten, wurde uns einmal mehr bewusst, wie abwechslungsreich Schottland ist. Noch am Morgen waren wir zwischen Bergen und legendären Seen unterwegs gewesen. Nun endete der Tag an der Küste, mit Blick auf das Meer und der Hoffnung, vielleicht doch noch irgendwo einen Delfin zu entdecken.

Schottland überraschte uns erneut. Nicht mit großen Sehenswürdigkeiten oder spektakulären Attraktionen, sondern mit den kleinen Momenten: einem Bad im Loch Ness, netten Gesprächen mit schottischen Golfern, frischen Scones am Meer und dem stetigen Wind der Nordsee.

Manchmal sind genau diese Tage die, an die man sich später am liebsten erinnert.

Gefahrene Strecke: 159km

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