Tag 11 - Burgen, Gärten und Geister der Ostküste

Nach einem entspannten Frühstück machten wir uns auf den Weg. Die wilden Highlands lagen inzwischen hinter uns und wir näherten uns immer mehr der schottischen Ostküste. Gleichzeitig merkten wir schnell, dass wir wieder auf der klassischen Touristenroute unterwegs waren.

Unser erster Halt war das berühmte Cawdor Castle.

Bereits kurz nach 10 Uhr erreichten wir das Schloss – pünktlich zur Öffnung. Allerdings wurde sofort deutlich, dass wir uns nicht mehr auf den einsamen Straßen der NC500 befanden. Reisebusse standen bereits auf den Parkplätzen und immer neue Besuchergruppen strömten auf das Gelände. Viele von ihnen waren offenbar Passagiere von Kreuzfahrtschiffen, die in Inverness oder Invergordon angelegt hatten.

Nach den vergangenen Tagen voller Weite, Ruhe und Einsamkeit war das zunächst fast schon ungewohnt.

Doch davon ließen wir uns die Stimmung nicht verderben.

Denn Cawdor Castle zählt völlig zurecht zu den bekanntesten Schlössern Schottlands.

Weltberühmt wurde es vor allem durch William Shakespeares Tragödie Macbeth. Zwar hat das historische Schloss nur wenig mit den tatsächlichen Ereignissen der Geschichte zu tun, doch in Shakespeares Werk ist der Titel „Thane of Cawdor“ untrennbar mit Macbeth verbunden. Dadurch wurde der Name des Schlosses weltweit bekannt.

Besonders faszinierend ist, dass Cawdor Castle bis heute bewohnt wird.

Es handelt sich also nicht um ein reines Museum, sondern um ein echtes Zuhause mit jahrhundertealter Geschichte. Entsprechend wirken viele Räume nicht wie Ausstellungsstücke, sondern wie tatsächlich genutzte Wohnräume.

Alte Gemälde schmücken die Wände.

Antike Möbel stehen an ihrem ursprünglichen Platz.

Bibliotheken, Salons und Speisezimmer vermitteln das Gefühl, als könnten die Bewohner jederzeit zurückkehren.

Doch fast noch beeindruckender als das Schloss selbst sind die Gärten.

Mit unglaublicher Sorgfalt gepflegte Blumenbeete wechseln sich mit kunstvoll angelegten Wegen, alten Bäumen und farbenprächtigen Pflanzen ab. Überall blühte und wuchs es. Man merkte sofort, wie viel Arbeit und Leidenschaft in die Pflege dieser Anlagen investiert wird.

Allein die Gärten hätten den Besuch bereits gerechtfertigt.

Nach rund zwei Stunden machten wir uns schließlich wieder auf den Weg.

Die Strecke führte uns entlang der Scottish Tourist Route durch eine abwechslungsreiche Landschaft aus Feldern, kleinen Dörfern und Küstenabschnitten.

Unser nächstes Ziel wartete bereits:

Dunnottar Castle.

Und schon die erste Sichtung verschlug uns erneut die Sprache.

Die Ruine liegt spektakulär auf einem isolierten Felsvorsprung direkt über der Nordsee. Hohe Klippen fallen nahezu senkrecht ins Meer ab. Dahinter erstreckt sich nichts als Wasser bis zum Horizont.

Es ist einer dieser Orte, die man sofort erkennt, selbst wenn man den Namen nicht kennt.

Kein Wunder, dass Dunnottar Castle zu den meistfotografierten Burgen Schottlands gehört.

Leider zeigte sich hier auch die Kehrseite der Bekanntheit.

Der kleine Parkplatz war hoffnungslos überfüllt. Selbst die Bereiche, die eigentlich für größere Fahrzeuge vorgesehen waren, wurden bereits von Reisebussen belegt.

Also parkten wir kurzerhand entlang der Straße und machten uns von dort auf den Weg.

Trotz der Menschenmassen lohnt sich der Abstecher ohne jede Frage.

Die Geschichte der Burg ist beeindruckend.

Besonders berühmt wurde Dunnottar Castle während des Englischen Bürgerkriegs im 17. Jahrhundert. Hier wurden die schottischen Kronjuwelen – die sogenannten Honours of Scotland – versteckt und gegen die Truppen Oliver Cromwells verteidigt.

Acht Monate lang widerstand die Burg einer Belagerung.

Am Ende gelang es, die Kronjuwelen heimlich aus der Festung zu schmuggeln und damit für Schottland zu retten.

Allein diese Geschichte macht den Ort zu etwas Besonderem.

Die Ruinen selbst können ebenfalls besichtigt werden. Dafür wird Eintritt erhoben. Laut unserem Reiseführer sind die Gebäude im Inneren allerdings weniger spektakulär als die Anlage von außen.

Und ehrlich gesagt:

Schon der Blick von den Klippen genügte vollkommen.

Hinzu kommt, dass über 200 steile Stufen hinunter zur Burg führen – und anschließend natürlich wieder hinauf.

Bei den Menschenmassen entschieden wir uns daher bewusst dagegen.

Auch so war die Kulisse absolut beeindruckend.

Interessanterweise gilt Dunnottar Castle zudem als eine der am stärksten heimgesuchten Burgruinen Schottlands. Besucher berichten immer wieder von mysteriösen Erscheinungen, ungewöhnlichen Geräuschen oder seltsamen Schatten zwischen den Mauern.

Gruselstimmung wollte bei uns allerdings nicht wirklich aufkommen.

Dafür waren einfach zu viele Menschen unterwegs.

Nach dem Besuch ging es nur wenige Minuten weiter nach Stonehaven.

Die kleine Küstenstadt besitzt eine wunderschöne Lage direkt am Meer und einen charmanten Hafen. Bunte Häuser, kleine Cafés und die lange Promenade verleihen dem Ort eine entspannte Atmosphäre.

Unser Campingplatz lag ebenfalls nur wenige Minuten entfernt.

Nachdem alles aufgebaut war, zog es uns noch einmal in Richtung Promenade.

Dort entdeckten wir eher zufällig einen kleinen Geheimtipp:

Aunty Betty's.

Erstaunlicherweise tauchte die Eisdiele in keinem unserer Reiseführer auf.

Ein Fehler.

Denn das Eis war hervorragend.

Mit Blick aufs Meer genossen wir die süße Belohnung und beobachteten das Treiben an der Strandpromenade.

Manchmal sind es genau diese ungeplanten Entdeckungen, die besonders in Erinnerung bleiben.

Anschließend ging es zurück zum Campingplatz.

Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite.

Die Sonne schien.

Eine leichte Brise kam vom Meer herüber.

Und wir genossen einfach die Ruhe nach einem Tag voller Burgen, Geschichte und spektakulärer Ausblicke.

Später wurde noch Abendessen zubereitet, bevor wir den Tag entspannt ausklingen ließen.

Die wilden Highlands lagen inzwischen hinter uns.

Doch Schottland hatte noch immer jede Menge Geschichten zu erzählen.

Gefahrene Strecke: 191km

Aktuelle Position:

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